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"Wir richten das Gesetz auf"

 

Römer 3,31 Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz. [a.Ü. “richten auf”]

 

Mit wenigen Worten möchte ich im folgenden Text versuchen mein Verständnis dieser Aussage zu beschreiben. Der Vers, so wie er oben steht, ist aus seinem Kontext gerissen. Auf diese Art hat er keine Aussagekraft. Man kann alles mögliche hinein interpretieren. Doch nicht selten wird er auf diese Art zitiert, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass Paulus in diesem Satz das halten der Thora predigt. Dem möchte ich hier widersprechen.

 

In den Kapiteln 1-3 des Römerbrief, beschreibt uns der Apostel Paulus, dass die gesamte Menschheit dem Urteil der Sünde verfallen ist. Er zeigt unterschiedliche Details auf, und zitiert dabei oftmals aus den Psalmen um seine Beschreibungen zu untermalen. Bis er dann zur folgenden Erklärung kommt:

 

Römer 3,19 Wir wissen aber, daß das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei, 20 weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. 21 Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird...

 

Nachdem Paulus dargelegt hat das der Mensch “außerhalb des Gesetzes" gerechtfertigt wird, stellt er nun die Frage ob der Glaube, von dem er spricht, dass Gesetz aufhebt? Wenn wir nur Kapitel 1-3 lesen, könnten wir durchaus in die Versuchung geraten seine Frage mit “ja” zu beantworten. Dessen ist er sich bewusst, weshalb er diese Frage nach der Aufhebung des Gesetzes stellt und selbst mit “das sei ferne” beantwortet.

 

Wenn wir Paulus nun gegenüber stehen würden, nachdem er diese Frage stellte und selbst mit “das sei ferne” beantwortete. Müssten wir ihn fragen: “Aber hast du uns nicht gerade dieses und jenes erklärt?” Und dann würde er uns anfangen zu erklären und sagen:

 

Römer 4,1 Was wollen wir denn sagen, daß Abraham, unser Vater, nach dem Fleisch erlangt hat? 2 Wenn nämlich Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott. 3 Denn was sagt die Schrift? »Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet«.

 

Er macht hier etwas, was sich durch den gesamten Römerbrief zieht. Nämlich “wortwörtliche Dinge” nehmen und ihren waren geistlichen Kern aufzeigen.

 

Römer 2,28 Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29 sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geist[9], nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.

 

Römer 9,8 Das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet.

 

Paulus erklärt uns, nicht durch das “wortwörtliche Gesetz (Thora)” in Satzungen und Geboten ist die Gerechtigkeit Gottes zu finden ist, sondern im “geistlichen Teil" der Schrift. In den Geschichten der Urvätern und all den anderen Gläubigen kannst du erforschen wie Gott an ihnen handelte. Paulus entfernt sich davon die 5.Bücher Mose wortwörtliche zu nehmen, und legt sie stattdessen geistlich aus!

 

Du glaubst mir nicht? Hier ist der Beleg!

 

Galater 4,21 Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht? 22 Es steht doch geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der [leibeigenen] Magd, den anderen von der Freien. 23 Der von der Magd war gemäß dem Fleisch geboren, der von der Freien aber kraft der Verheißung. 24 Das hat einen bildlichen Sinn[5]: Dies sind nämlich die zwei Bündnisse; das eine vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar. 25 Denn »Hagar« bedeutet den Berg Sinai in Arabien und entspricht dem jetzigen Jerusalem, und es ist in Knechtschaft samt seinen Kindern.

 

Im Galaterbrief geht deutlich hervor, das die Gemeinden sich beschneiden lassen wollen und beginnen möchten die Vorschriften des Gesetzes einzuhalten. Im gesamten Brief kämpft er gegen dieses Vorhaben. Und dann nimmt er das Gesetz als Beispiel um gegen das Gesetz zu argumentieren! Er nimmt das geistliche Verständnis um gegen das fleische vorzugehen.

 

Und genau davon spricht er in Römer 3,31 wenn er fragt “Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? ” Nein, im Gesetz (Thora) ist der Glaube (das Geistliche) zu finden. Wir heben es nicht auf, wir bringen es jetzt den wahren Kern hervor.

 

Und das ist auch der Grund weshalb er seine eigene Antwort sofort mit Abrahams Geschichte belegt:

 

Römer 4,1 Was wollen wir denn sagen, daß Abraham, unser Vater, nach dem Fleisch erlangt hat? 2 Wenn nämlich Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott. 3 Denn was sagt die Schrift? »Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet«.

 

Der Stammvater Abraham ist schon geistlich gewandelt, indem er der Zusage Gottes vertraute.

 

Römer 4,20 Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die Ehre gab 21 und völlig überzeugt war, daß Er das, was Er verheißen hat, auch zu tun vermag. 22 Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet 23 Es steht aber nicht allein um seinetwillen geschrieben , dass es ihm angerechnet worden ist, 24 sondern auch um unsertwillen, denen es angerechnet werden soll, wenn wir an den glauben, der unseren Herrn Jesus aus den Toten auferweckt hat, 25 ihn, der um unserer Übertretungen willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden ist.

 

 

Ich hoffe etwas Klarheit bringen zu können, für diejenigen die etwas Schwierigkeiten mit diesen Vers hatten.

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Kommentare: 2
  • #2

    secdoor (Autor) (Sonntag, 17 Februar 2019 21:04)

    Hallo Maryam, danke für deinen Kommentar! Was versprichst du dir wenn man eine engere Linie zwischen "Gesetz" und "Gebot" zieht? Im Artikel geht es in erster Linie um die Frage was Paulus unter "Gesetz" versteht, wenn er davon spricht das es nicht aufgehoben sondern aufgerichtet wird.

    "Wir richten das Gesetz auf, sollte meines Erachtens heissen, wir richten die Gebote im Sinne Jesu Christi auf."

    Das ist eine schwierige Aussage, weil sie sehr schwammig formuliert ist. Das Bild was uns mit Abraham geschenkt wird ist dagegen sehr präzise.
    Die Aussage "Wir richten das Gesetz auf" wird uns anhand von Abraham im Anschluss dieser Aussage dargelegt.
    Was den Spielraum für Interpretationen stark einschränkt, und das ist bei all der Verwirrung die herrscht auch gut so!

    Zur gelebten Liebe sind wir aus meiner Sicht überhaupt nicht fähig. Dazu muss unser Herz erleuchtet werden mit der Herrlichkeit Gottes. Was übrigens eine Verheißung für uns ist. (2Pet 1,16-21) (Röm 5,2). Das soll keine Entschuldigung für ein "liebloses" Verhalten sein, aber selbstlose Liebe wird von unseren egoistischen Wesen stets unterbunden. Ich denke, zur wahren Liebe sind wir erst fähig wenn unser altes Wesen gerichtet ist. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

    Lg secdoor

  • #1

    Maryam (Samstag, 16 Februar 2019 23:56)

    Danke für die Erklärung aus Deiner Sicht. Leider wird jeweils bei Aussagen von Paulus nicht zwischen Gesetzen und Geboten unterschieden. Mit Werken, wie sie das Gesetz forderte, konnte man vor Gott dem Vater Jesu wohl dann unmöglich als Gerechter bestehen, wenn es sich um Steinigung, also bewusstes Töten eines Menschen ging.
    Paulus lehrte dann ja in Römer 13, dass wer liebt dem Nächsten nichts Böses antue, also weder tötet, noch verleumdet, auch nicht bestiehlt, ebenso nicht hintergeht.
    Somit sei die Liebe die Erfüllung der Gesetze (Gebote)
    Wir richten das Gesetz auf, sollte meines Erachtens heissen, wir richten die Gebote im Sinne Jesu Christi auf.
    In Galater 5.24 folgt wieder der Hinweis auf die Wichtigkeit der gelebten Liebe zur Erfüllung aller Gesetze und Propheten, wie Jesus sie als im Sinne des wahren Gottes als erfüllt erklärte.

    Teils mosaische Gesetze forderten zu extrem lieblose Handeln auf, zum Töten. Mit dem Umsetzen jener Werke wie das Gesetz forderte konnte man unmöglich beim Vater im Himmel, dem allein wahren Gott als Gerechter bestehen.
    lg Maryam